Weltmeisterschaften sind nicht nur für Spieler und Fans das Größte. Auch die Kommentatoren, die in Echtzeit ihre Fachkenntnis auf das Spielgeschehen dropen fiebern seit Monaten auf das Großereignis hin. Über Fußballspieler und ihre Aussagen wird sich ja – auch hier – zu Genüge lustig gemacht. Zeit, einmal auf die Perlen der Liveberichterstattung zu blicken. Die Bierfreunde haben die besten Kommentare der letzten Jahre für euch zusammengestellt:
Heribert Faßbender
„Es steht im Augenblick 1:1. Aber es hätte auch umgekehrt lauten können.“ In der Tat hätten sie sich über ein 1:1 auch nicht beschweren dürfen.
“Und jetzt skandieren die Fans wieder: Türkiye, Türkiye. Was so viel heißt wie Türkei, Türkei.” Danke, Berti!
“Sie sollten das Spiel nicht zu früh abschalten. Es kann noch schlimmer werden.” Geil! Als HSV Fan kann es einem ja gar nicht schlecht genug sein!
“Fußball ist inzwischen Nr. 1 in Frankreich. Handball übrigens auch.” Und du bist in Deutschland Nr. 1, Heribert! Marcel Reif übrigens auch.
Marcel Reif
„Ich will nicht parteiisch sein. Aber lauft, meine kleinen schwarzen Freunde, lauft!“ Marcel Reif und parteiisch? Wer sagt den so was???
„Wenn Sie dieses Spiel atemberaubend finden, haben sie es an den Bronchien.“ Und wer deinen Kommentar länger als eine Halbzeit aushält hat es an den Ohren…
„Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt.“…dein Gelaber auszuschalten und auf Stadionsound umzustellen.
Gerhard Delling
„Wenn man ihn jetzt ins kalte Wasser schmeißt, könnte er sich die Finger verbrennen.“ Hoffen wir, dass sich die Jungs vom DFB im heißen südafrikanischen Winter nicht verkühlen…
„Da geht er durch die Beine, knapp an den Beinen vorbei, durch die Arme.“ …Knapp am Pfosten vorbei direkt ins Tor.
„Die haben den Blick für die Orte, wo man sich die Seele hängen und baumeln lassen kann.“ Echt – Seelen sind eh voll schwul, hängt sie auf!
„Die Luft, die nie drin war, ist raus aus dem Spiel.“ Und dann wurden auch noch die Tore, die nie gefallen sind, aberkannt. Grund genug für die Fans, die nie da waren, nachhause zu gehen.
Johannes B. Kerner
„Wenn man Gelb hat und so reingeht, kann man nur wichtige Termine haben.“ Zum Beispiel Tickets für die Show von Reinhold Beckmann.
„Halten Sie die Luft an und vergessen Sie das Atmen nicht.“ Halt endlich die Schnauze und kommentier das Spiel!
„Es ist schon an der Grenze zum Genuss, den Koreanern zuzusehen.“ Das könnte man von deiner Truthahnsalami auch behaupten!
Werner Hansch
„Ja, Statistiken. Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder 4. Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.“ Oder mit Matthias Sammers Worten: „Statistiken sind dazu da, um gebrochen zu werden!“
„Man kennt das doch: Der Trainer kann noch so viel warnen, aber im Kopf jedes Spielers sind 10 Prozent weniger vorhanden, und bei elf Mann sind das schon 110 Prozent.“ Das is’ ne ganze Menge…
„Wer hinten so offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Die Rede ist hier offenbar von Tim Wiese…
Günter Netzer
„Ich hoffe, das die deutsche Mannschaft auch in der 2. Halbzeit eine runde Leistung zeigt, das würde die Leistung abrunden.“ Wo er Recht hat…
„Da haben Spieler auf dem Platz gestanden, gestandene Spieler.“ Ja das waren noch andere Zeiten. Aber es war halt ne andere Zeit.
“Die Nase ist halt eine verletzliche Stelle, und wenn man sie mit den Stollen oder der Fußspitze berührt, kommt es zu Nasenbluten.” Also, lieber Nachwuchs: Lieber auf die Fresse oder in die Eier treten.
Gerd Rubenbauer
(Als der Fifa-Offizielle eine Minute Nachspielzeit anzeigt) “Jetzt wechselt Jamaika den Torwart aus!” Das ist aber auch ein verrücktes Völkchen…
“Die Achillesferse von Bobic ist die rechte Schulter.” Und das Herz eines Bierfreundes schlägt in der Leber.
Jörg Dahlmann
„Da geht er, ein großer Spieler. Ein Mann wie Steffi Graf.“ Großes Damentennis war er!
“Kohler köpft alles weg, der würde sogar eine Kiste Bier aus dem Strafraum köpfen.” Die Bierfreunde würden eher eine Kiste Bier im Strafraum köpfen, wenn man sie nur ließe…
Vier Spieltage sind bei der WM vergangen. Fast alle Favoriten haben schon gespielt, doch nur eine Mannschaft konnte überzeugen: WIR! Mit einem gradiosen 4:0 ist die DFB-Auswahl ins Turnier gestartet, alle anderen enttäuschten. Ein Rückblick.
Nach einer stimmungsvollen Eröffnungsfeier daddelten Südafrika und Mexiko am Freitag die ersten Punkte des Turniers aus. Nach aufgeregter erster Halbzeit gelang es Bafana Bafana in Führung zu gehen. Trotz des späten Ausgleichs der Mexikaner feierten die Gastgeber ihren Auftak wie einen Sieg (Spielbericht Marius Geisler, Kapstadt).
Am Abend dann das erste Match einer „großen Mannschaft“ die Equipe Tricolore musste gegen Uruguay ran. Ein Scheißspiel – und es sollte nicht das letzte sein. Ribery, Henry und Co. kamen über ein 0:0 nicht hinaus.
Samstag griff mit Argentinien ein heißgehandelter WM-Favorit ins Geschehen ein. Das Team von Maradona schien seinem Ruf gerecht zu werden, als es früh in Führung ging. Doch mehr kam – außer von Messi – dann gegen Nigeria auch nicht, am Ende stand ein dürftiges 1:0.
Am selben Abend standen sich die USA und der selbsternannte Titelanwärter England gegenüber. Auch die Briten gingen mit 1:0 in Führung, spielten in der Folge allerdings schwach und kassierten verdient noch den Ausgleich. Deutschland und England haben seit Jahren eins gemein: Man kann sich auf den Keeper verlassen. Alle Jahre wieder muss der DFB zwischen mindestens zwei weltklasse Torhütern auswählen, wer die Nummer eins wird und nie hat England einen Keeper, der auch nur ansatzweise gut spielt. Ein lustiges Tor, da geht einem das Herz auf.
Am Montag dann Weltmeister Italien, von vielen totgeschrieben, doch meistens genau dann am besten. Naja. 1:1 gegen Paraguay. Auch wenn Lipi und das italienische Volk das Spiel – warum auch immer – wie einen Sieg feierten; diese Leistung war erbärmlich. Bleibt zu hoffen, dass wir die Squadra in der KO-Runde vor die Brust bekommen, dann gibt’s Rache für 2006…
Auch die von den Bierfreunden an Nummer zwei gesetzten Holländer liefen gestern im ersten rein europäischen Spiel erstmals auf den WM-Rasen. Wirklich schwach spielten sie nicht, allerdings weit unter ihren Möglichkeiten. Der Däne stand tief und fest und geriet unglücklich in Rückstand. Erst der Hamburger Elia ebnete mit sensationeller Vorarbeit für Kuyt den Weg zum Auftaktsieg. Seit fast 80 Jahren hat Holland kein WM-Auftakt mehr verloren, aber wir wissen ja alle, dass sie am Ende auch fast nie was gewinnen.
Abzuwarten bleiben noch die Auftritte von Brasilien, Spanien und Portugal, doch geht man nach den bisherigen Auftritten, hat das Turnier nur einen klaren Favoriten: Deutschland.
Am Sonntag hatte das lange Warten ein Ende und was die Jungens gegen Australien zeigten war magisch. Mit 253.000 Fans verfolgten die meisten Bierfreunde den Auftakt – wie vor vier Jahren – am Heiligen Geist. Nach fünf Minuten der Eingewöhnung legten sie dann los. Poldi und Klose – Helden der WM 2006 legten den Grundstein für den Sieg und machten im Prinzip schon alles vor der Halbzeit klar.
Doch 2006 hatte es ja nicht gereicht, wir spielten schön und bis zu einem Punkt auch erfolgreich, wie so ein 2:0 halt. Aber dieses Jahr braucht es mehr. Und dieses Jahr haben wir mehr. Zum Beispiel Müller und Cacau, die in der zweiten Halbzeit sensationell auf 4:0 erhöhten. Müller mit einem Drehschuss linker Innenpfosten rein – im Stile seines großen Namens- und Rückennummernvetterns in früheren Jahren.
Der Erfolg dieser Mannschaft liegt in der Kombination aus herangereiften Helden von 2006 und frischen Talenten der letzten Saison. Schweini, vor vier Jahren noch jünger als die Bierfreunde heute, ein verpickelter Schlacks, der mal für ne Flanke gut war oder den Flügel hochflitzen konnte, ist heute ein gestandener Mann mit Übersicht und Führungsqualitäten. Von der sechs aus hat er die Fäden im Griff, verteilt Bälle und Spieler und lässt seine Kameraden gllänzen.
Philip Lahm, 2006 kleiner Milchbubi mit flauschigen Bartstoppeln, heute kleiner Milchbubi mit flauschigen Bartstoppel und Kapitänsbinde. Der Münchener ließ hinten – wie immer – nichts anbrennen, hatte sein Team im Griff und spielte dann und wann gefällig nach vorne. Dass Lahm mal Kapitän würde war uns immer klar. Kaum ein deutscher Nationalspieler hat in den letzten Jahren so beständig auf Weltniveau gespielt und kaum ein anderer ist in der Lage ein Spiel auch mal im Präteritum und mit mehr als den üblichen Fußballerphrasen zu beschreiben.
Poldi – der Bauer aus Köln. Wie Netzer völlig treffend analysiert ein Instinktfußballer. Der liebe Gott hatte kein Hirn mehr übrig, also gab er ihm Eier und die Gabe, ohne darüber nachzudenken geilen Fußball zu spielen. „Prinz Poldi“ von 2006 hat an seiner Technik gearbeitet und wie Schweini ordentlich an Masse zugelegt. Der Gewaltschuss zum 1:0 zeigte es.
Und dann noch der gute Miro. Was haben sie ihn nicht alle totgeschrieben. Und dann verkackt er auch noch seine ersten beiden Großchancen. Egal. Er machte mit dem 2:0 den Sack zu und erzielte sein 11. WM-Tor. Jeder, der sich schändlich und respektlos über Klose geäußert hat sollte sich das mal auf der Zunge zergehen lassen – nur Gerd Müller war für Deutschland bisher erfolgreicher. Miro machte und macht die wichtigen Dinger und das 2:0 wird nicht sein letztes Tor gewesen sein.
Trotzdem, und damit kommen wir zu den aufgehenden Sternen dieses Turniers, schlimm wäre es nicht, wenn er nicht weiter träfe: Für Klose kam Mitte der zweiten Halbzeit der Stuttgarter Pedro de la Fuerte Tango Amigo La Cuca Racha de la Noche Gonzales – kurz Cacau. Zweiter Ballkontakt Tor. Mehr muss man dazu nicht sagen.
Auch der Badstuber Holger machte seine Sache stabil. Vielen Dank, Louis van Gaal, dass du uns in deinem einen Jahr bei Bayern so geile Spieler aufgebaut hast!
Und dann diese beiden Teufelskerle. Müller und Özil. Müller, seit einem Jahr spielend und doch schon mehr Einsätze als so manch anderer WM-Teilnehmer, benahm sich, als täte er seit Jahren nichts anderes, als WM-Endrunden zu spielen. Ruhig und besonnen suchte er seine Mitspieler und fand sie. Er legte das 1:0 für Poldi auf und machte das 3:0 wie gesagt selbst.
Und Mesut Özil ist wieder mal so ein Spieler, bei dem man sich ärgern muss, dass er normaler Weise hässliches Grün trägt. Er war an so gut wie allen gefährlichen Szenen der deutschen beteiligt und wird schon nach seinem ersten Auftritt bei einer WM mit Lionel Messi verglichen. Die internationale Presse feiert ihn als einen kommenden Weltstar, er werde schon bald zu den fünf besten Spielern überhaupt zählen, schreibt die Gazetta dello Sport.
Überhaupt sparten die Blätter aus dem Ausland nicht mit Lob: Den Stereotyp des Fußballs mit viel Muskeln und wenig Fantasie haben die deutschen überwunden, sie kamen leise und machten Lärm, vor diesen Deutschen muss man Angst haben, schrieben sie. Die Bierfreunde sind weit davon entfernt, sich zu freuen, wenn das Ausland wieder Angst vor Deutschland hat… Aber dieser Auftritt – auch wenn es nur ein Sieg gegen Australien war, war brilliant.
Sönke Wortmann hätte die Dramaturgie des Spieles und vor allem die Rollenbesetzung nicht besser schreiben können: Die jungen Wilden legten den angeblich gebrochenen Stars von gestern auf und umgekehrt. Schauen wir uns die Entstehung der Tore mal genauer an:
1:0: Schweinsteiger flankt den Ball aus der Schaltzentrale diagonal über das Feld direkt auf Özil. Der tänzelt ein wenig, guckt und steckt den Ball durch drei australische Verteidiger durch zu Müller. Der legt den Ball punktgenau und zwischen vier Aussis durch zu Poldi, der ihn bedingungslos reindonnert.
2:0: Der Kapitän steht irgendwo an der Auslinie und flankt den Ball genau an den Fünfmeterraum, wo ein Kopfballungeheuer namens Miroslav Klose bereit steht und zum 2:0 einnetzt.
3:0: Poldi nimmt sich nach Doppelpass mit Schweini ein Herz und rennt bis an die Strafraumgrenze. Dort steckt er durch auf Müller, der in Ball in aller Seelenruhe annimmt, einen australischen Verteidiger vorbeigrätschen lässt, kurz nachdenkt und sich dann dazu entschließt, den Ball aus der Drehung ins lange Eck zu schieben. „jo“ denkt er und reckt einmal kurz die Faust in den Himmel, als wär es das Normalste der Welt für einen 20-jährigen, im ersten WM-Spiel ein Tor zu erzielen.
Und beim 4:0 kommt der Holger Badstuber mal, wie vom Trainer gefordert, mit nach vorne, tut das beste, was man machen kann, nämlich Özil den Ball geben. Der rennt nach vorn, legt ab in die Mitte und da steht ein Cacau mit Sahne, der seinen zweiten Ballkontakt im neunten Länderspiel zum vierten Tor macht.
Kein Eigentor, kein Torwartfehler, keine Standartsituation: Das waren vier astrein herausgezauberte Tore. Geil war das. Und zwar so geil, wie bisher noch kein anderes Team auch nur annähernd gespielt hat.
Wir haben nicht den einen Star, wir haben einige. Kaum können wir es erwarten, bis es in der Endrunde gegen die Titelrivalen um die Wurst geht, denn dann wird sich zeigen, wie viel diese „beste Nationalmannschaft, in der ich je gespielt hab“ (Philip Lahm) erreichen kann.
Unsere Freunde vom Racheshop Blog beschäftigen sich auch sehr intensiv mit der WM. Sie schreiben halbwitzige Beiträge und bereichern sie mit mittelmäßigen Songs und Videos. Nichts, was diesem Blog gefährlich werden könnte also. Für Gelangweilte kann aber immer wieder was lustiges dabei sein, reinschauen lohnt sich allemal.
Afrika ist Busch. Dort laufen die Menschen mit Tierfell vor den Genitalien rum und kämpfen mit Löwen und Tigern wenn sie sich nicht gerade bunt bemalen und wild tanzen. Himmelsrichtungen gibt es nicht, genau so wie Milch und Weihnachten. Dieses etwas überholte Bild scheint in den Köpfen westlicher Fußballfans fest verankert zu sein – das zeigen Fragen, die den Organisatoren der WM gestellt wurden. Das südafrikanische Tourismuszentrum hat einige der besten Fragen zur WM veröffentlicht:
Die Bierfreunde legen Wert auf Bildung. Das gilt im Besonderen für den Fußball. Als Service-Blog versorgen wir euch mit den wichtigsten Infos über unsere ersten Gegner:
AUSTRALIEN
WM-Teilnahmen (3): 1974 Vorrunde 2006 Achtelfinale 2010 in Südafrika
letztes Spiel gegen Deutschland: 15. Juni 2005 in Frankfurt (Confederations Cup) 3:4 (Tore: Aloisi (2), Skoko – Kuranyi, Mertesacker, Ballack, Podolski)
Trainer: Pim Verbeek
Stars: Mark Schwarzer (FC Fulham), Harry Kewell, Lucas Neill (beide Galatasaray Istanbul), Craig Moore (vereinslos), Tim Cahill (FC Everton), Mark Bresciano (US Palermo), Dario Vidosic (1. FC Nürnberg), Joshua Kennedy (Nagoya Grampus Eight)
FIFA-Weltrangliste: Platz 20 (Stand: 25. Mai 2010)
Es ist ein sonniger freundlicher Morgen in Kapstadt, alle Weltmeisterschafts-Infizierten zieht es in die Innenstadt, das lange Warten hat ein ein Ende, der Tag ist endlich da, die Fußball Weltmeisterschaft 2010 wird in wenigen Stunden in Johannesburg „Soccer-City“ eröffnet.
Die Bilder und Szenen die sich abspielen sind absolut farbenfroh, alle Menschen sind super gelaunt, in unglaublicher Feierlaune und guter Dinge in Hinsicht auf das bevorstehende Eröffnungsspiel gegen Mexiko am späten Nachmittag.
Der Andrang war wirklich enorm, das FIFA Fan-Fest, dass ich eigentlich besuchen wollte war schon voll, hunderte Menschen standen vor dem Eingang machten Lärm und feierten, aber keine Chance, die Tore blieben geschlossen. Sicherheitskräfte sagten die Kapazitäten seien ausgeschöpft – 50.000 Zuschauer sollten bereits in der Fan-Arena sein.
"Hier kommste nicht rein" - Das Fifa-Fanfest war schon um 12 uhr voll!
Also woanders das Spiel gucken! Dafür mussten wir quer durch die Stadt laufen, bis zu Kapstadts Waterfront, wo auch noch eine Leinwand aufgebaut war und hoffentlich genügend Platz sein würde.
Auf dem Weg dorthin ergaben sich Impressionen die an die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland erinnerten. Fan-Schwärme auf den Straßen, Tänze, Gesänge, ja alles ähnlich – natürlich bis auf die für schlagzeilensorgende Vuvuzela, aber dazu später mehr.
Sicherheitskräfte waren im Volleinsatz, zu Land zu Wasser und auch via Hubschrauber in der Luft.Auch das Militär war geringfügig in speziellen Fahrzeugen vertreten, auf kleinen Schiffen mit Maschinengewähren bewaffnet, für den Ernstfall vorbereitet und immer in Bereitschaft.Die Polizei sah man auf Streife zu Fuß und auf Pferden, zu keinem Zeitpunkt gab es Auseinandersetzungen, alles war friedlich und insgesamt eine wirklich geile Stimmung.
Fans maschieren mit Freude an die Waterfront
An der schönen Waterfront angekommen war es noch eine gute Stunde bis zum Anpfiff, es war Zeit einen Bierstand aufzusuchen und zu tanken. Ich war positiv überrascht – 20 Rand (2 Euro) für 0,5 Liter lecker eisgekühltes Bier. Es war schön zu wissen das man nicht all zu viel Geld „verflüssigen“ würde. Ok am Ende war es dann doch eine Menge. Aber Trotzdem, die Preise waren für uns Bierfreunde trinkfreundlich und gingen schon in Ordnung.
Unter die vielen Südafrika Fans mischten sich auch Fußballbegeisterte aus Uruguay und Frankreich und bildeten lautstarke Versammlungen. Die Begegnung war später am Abend in Kapstadt im Greenpoint Stadion angesetzt und die Fans fingen schonmal an sich warm zu feiern. Alle sympathisierten miteinander, auch einige mit Deutschlandtrikots waren unter der Menge.
Auch hier war es richtig voll, es gab aber diesmal keinen offiziellen Eingang der abgeriegelt werden konnte.
Die Leinwand zeigte Jacob Zuma, den südafrikanischen Präsidenten wie er FIFA Präsident Blatter die Hand schüttelte und noch ein paar ehrenhafte Worte an das Publikum richtete.
Sound gab es keinen, man hätte bei dem Lärm aber sowieso nichts verstanden, und dann kurz vor Anpfiff ging eine Gänsehaut durch die Reihen…
…Die Nationalhymne schallte über den Platz, jeder sang voller Stolz, Erwartung und Vorfreude. Die Atmosphäre war unbeschreiblich, Adrenalin schoss durch die Adern als der Ball endlich ins Rollen kam und das Spiel angepfiffen wurde. Jetzt ging es erst richtig los! Die WM war eröffnet!
Die Menschen sangen und tanzten, die afrikanischen Mädels schüttelten ihre Ärsche und gingen einfach nur Steil. Hier feiern die Frauen nochmal anders als in Deutschland, nämlich viel lautstärker und bekloppter. Das Spiel wurde für manche zur Nebensache und die Party stand im Mittelpunkt.
Verständlich beim verhaltenen Beginn der Südafrikaner, Mexiko machte das Spiel und Südafrikas Torwart bewahrte das Land mit einer guten Parade vor dem frühen Rückstand. Südafrika versuchte sich immer mehr und kam nur schwer ins Spiel, sobald der Ball in den gegnerischen Strafraum flog, jubelten die Fans und hofften auf ein Tor.
Halbzeit – Bier muss her! Den Becher wieder aufgefüllt, ein Sandwich verdrückt und schon ging es in die zweite Hälfte. Und die sah schonmal viel besser aus. Südafrika begriff langsam das Angriff die bessere Verteidigung ist und spielte selbstbewusst mit dem eigenen Land im Rücken nach Vorne.
Jeder Angriff wurde laut bejubelt, es war nicht nur die Vuvuzela zu hören, von „Schalalala“ über “Ole Ole Ole” war bis zu südafrikanischen Nationalgesängen alles dabei.
Dann in der 55. Minute war es Südafrikas Topspieler Siphiwe Tshabalala der Südafrika in einen Hexenkessel verwandelte. Unbegreiflich was sich abspielte, Szenen die nur Bilder beschreiben können. Die Führung war der Startschuss für grenzenlose Euphorie und ein absolutes Ausrasten.
Jetzt musste es doch klappen, alles war auf den Kopf gestellt und in der 70. Minute hätte Südafrika alles klarmachen können, doch scheiterte Modise am freistehendem Torwart. Scheiße aber auch!
Dann der Schock und alles war für eine kurze Zeit still. Mexiko glich aus und das nur zwölf Minuten vor Schluss. Wirklich Schade! Dann kurz vor Abpfiff hätte sich das Blatt nochmal wenden können und die vorherige Siegesstimmung wäre wiederhergestellt wenn Katlego Mphela nicht den Pfosten sondern das Tor getroffen hätte. Eine Riesenchance. Das war knapp!
Schlusspfiff auf dem Platz – aber auch wirklich nur da!
Die Südafrikaner feierten sich und ihr Team und haben mal wieder gezeigt wie viel Energie und Lebensfreude in Ihnen steckt:
„Scheiß aufs Unentschieden, das ist unsere Weltmeisterschaft und solang die geht feiern wir auch!“
Diese Einstellung ist bemerkenswert, aber noch ist für Südafrika alles drin, Frankreich und Uruguay trennten sich gestern Torlos in einem ehr trostlosem Spiel.
Spiegel Online schrieb noch gestern Abend das die Spielqualität unter dem Lärm der Vuvuzela leiden würde.Bemerkenswert eine solche Aussage nach nur einem Spiel zu treffen.
Weiterhin käme keine Stimmung während den Spielen auf und die Vuvuzela würde einem die Lust beim Zuschauen verderben.
Wem es nicht passt, der kann sein Ton ja aus stellen, aber solange die WM in Südafrika ist, gehört die Vuvuzela nunmal dazu, sie ist Kult und die Südafrikaner sollten doch wohl feiern dürfen wie es ihnen am liebsten ist. Ich hör das Getröte schon gar nicht mehr, es ist halt überall.
Außerdem musste ich gestern feststellen das die Vuvuzela sich auch hervorragend als Bier-Rutsche eignet. Eine wirklich tolle Erfindung.
Die berüchtigte Vuvuzela heizt nicht nur das südafrikanische Team an, sondern auch die Diskussionen im Ausland
Weiter ging es nämlich die ganze Nacht, Fans zogen durch die Straßen und jeder feierte mit jedem bis in die frühen Morgenstunden. Alles war friedlich, es war ein gelungener Startschuss, eine Party die einfach nur gerockt und jeden glücklich gemacht hat. Das Land hat mir mal wieder bewiesen was es alles zu bieten hat und wie gastfreundlich es ist.
Eine verrückte Nation, die bunt ist, immer gute Laune hat und bis zum Ende feiern kann, egal ob Niederlage, Sieg oder Unentschieden.
Lasst den Funken auf euch überspringen, seid einfach Ayoba (cool drauf) und freut euch auf eine geile Wm in einem geilen Land! Ich bin jedenfalls schon jetzt mehr als begeistert…
Unentschieden gegen Mexiko - Trotzdem wird wie bei einem Sieg gefeiert! Noch ist für Südafrika alles offen...
Heute ist es endlich so weit. In wenigen Stunden beginnen die Festivitäten zum WM-Start. Trotzdem weiß der gemeine Europäer noch immer viel zu wenig über Gastgeber. Die Vorurteile über Südafrika sind zum Kotzen. Natürlich sind einige Probleme geblieben, doch die Arroganz, mit der weiße Fußballpatriarchen ihr konservatives Halbwissen zu erniedrigenden Schmähreden verwursten macht einen Bierfreund wütend. Die Hälfte aller BfA Präsidenten kennt das Land aus eigener Erfahrung und ist begeistert. Ebenso wie unser Korrespondent vor Ort. Das ZDF hat eine nette Reportage gedreht, die sich jeder anschauen sollte, bevor er sich ein Urteil erlaubt.
Die FIFA hat einen Tag vor WM-Start den Geschäftsbericht für 2009 vorgestellt. Der Weltverband machte demnach im abgelaufenen Jahr einen Gewinn von 196 Mio. $ und konnte das Eigenkapital damit erstmals über die 1-Milliarde-Dollar-Grenze heben; 1,061 Mrd. $ haben Blatter und Co. Nunmehr auf der hohen Kante. Da fragt sich der Fußball-Fan natürlich: Wofür braucht die FIFA mehr als eine Milliarde – vor allem nachdem Südafrika mehr als das vierfache von dem in die WM investiert hat?
Wofür braucht ein Fußballverband eine Milliarde Dollar, Herr Blatter?
Natürlich posaunte Präsident Blatter direkt im Anschluss an die Verkündung des Rekordvermögens die üblichen Pläne für Hilfsprojekte heraus und versprach den 208 nationalen Mitgliedsverbänden der FIFA (die damit übrigens größer ist als die UNO) je 250.000 $ Bonuszahlungen. Dividende sozusagen.
So weit so gut. Es wäre auch übertrieben zu sagen, die FIFA würde sich nicht für die Entwicklung des Fußballs einsetzen. Trotzdem muss man sich fragen, ob der übertriebene, bis in die Haarspitzen durchgeplante und bedingungslos diktierte Kommerz angesichts solcher Gewinne zu rechtfertigen ist. Gerade, wenn man sich das Gastgeberland der morgen beginnenden WM anschaut.
Unser Südafrika-Korrespondent Marius Geisler berichtet, was viele Blätter und Sender schon verbreitet haben: Die FIFA kennt auch auf dem schwarzen Kontinent kein Pardon, wenn es darum geht, das Marktmonopol ihrer Werbekunden sicher zu stellen. „Alle sollen profitieren, auch die kleinen Leute“ hatte Blatter einmal staatstragend formuliert. Pustekuchen. Die FIFA kam nach Afrika und sprach zuerst mal ein „totales Verbot des Straßenhandels“ aus. Millionen von Townshipbewohnern sind also gezwungen, ihre Tröten, Shirts und Schale bei offiziellen FIFA-Sellern zu kaufen. Damit die Werbekunden zufrieden sind und die FIFA weiterhin Gewinn scheffelt.
Wie ernst es dem Weltverband mit diesem Verbot ist, sah Geisler gestern, als auf der Straße kleine Fanartikelhändler von der Polizei in Kapstadt durch die Straßen gejagt wurden. Selbst mit diesem Verbot könnte man leben, wenn die richtigen, in diesem Falle die Nation Südafrikas, davon profitieren würden. Aber wieder weit gefehlt.
In Deutschland, wo ohnehin jeder drittklassige Verein mit zahlungskräftigen Sponsoren ausgestattet ist, fiel dieser Erzkommerz vor vier Jahren nicht so sehr auf. Wir waren und sind es gewohnt, Fanartikel in Fanshops zu völlig überhöhten Preisen zu kaufen. Südafrika ist aber nicht Deutschland.
Die junge Kapdemokratie versucht seit 16 Jahren die afrikanische Kultur der schwarzen Mehrheit in das System zu integrieren, das europäische Rassisten dort über Jahre etablierten. Und zu dieser Kultur gehört auch, dass nicht alles, was es zu kaufen gibt, von großen Supermarktketten und Kaufhäusern vertrieben wird, sondern zum Beispiel auch vom Tapeziertisch an der Straßenecke. So wächst die Wirtschaft vielleicht nicht mit über zehn Prozent pro Jahr, aber sie bricht halt auch nicht gleich ein, wenn irgendwelche Banken in den USA pleite gehen.
Während die FIFA laut Geschäftsbericht bei der WM mit einem Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe rechnet, stellt der Südafrikaner ernüchtert fest, dass die immensen Kosten für die Vorbereitung des Turniers am am ohnehin gebeutelten Staatshaushalt hängen bleiben. 33 Mrd. Rand (etwa 4,2 Mrd. $) hat das Land investiert, um den hohen Ansprüchen der Föderation an Infrastruktur, Sicherheit und Luxus in den Stadien zu genügen.
Sicherlich sind Straßenbau, der Ausbau und die Modernisierung der Polizei und neue Fußballstadien eine Investition für die Zukunft (wenn auch fraglich bleibt, wie viel der Ottonormal Südafrikaner in seinem Leben von einer Businesslounge in einem Edelstadion zu sehen bekommt). Aber wie rechtfertigt die FIFA es, in ein Land zu kommen, diesem dann Milliarden aus der Nase zu ziehen um dann mit den günstigen Vorraussetzungen Kohle zu scheffeln? Gar nicht, sie macht es einfach.
Erneut lohnt sich der Vergleich zu Deutschland 2006. Auch die Bundesrepublik hat nicht gezimpert mit Investitionen zur Vorbereitung der WM. Der Unterschied ist, dass die deutsche Wirtschaft ungleich mehr am Turnier beteiligt war, als es die südafrikanische bei diesem Turnier ist.
Selbst bei dieser WM gehört Deutschland zu den größten Profiteuren. Die Busse für Spieler- und Fantransport wurden von MAN gebaut, die Stadien wurden von deutschen Architekten geplant, mit schwäbischem Glas überdacht und von OSRAM beleuchtet. Nicht zu vergessen natürlich AIDAS, der offziele Ausstatter der FIFA. Unterm Strich ist die deutsche Wirtschaft mit einem Auftragsvolumen von 1,5 Mrd. Euro an der WM beteiligt. Der Merchandise wurde in Asien zu Billiglöhnen produziert und jetzt für teures Geld verkauft. Das WM-Maskottchen Zakumi wurde beispielsweise in Europa entworfen und in China produziert – es schuf nicht einen einzigen Arbeitsplatz in Südafrika. Es sind die üblichen Verdächtigen, die Industrienationen und vor allem auch Deutschland, die die Gewinne einstreichen. (Mehr dazu auf ftd.de: Wer von der WM profitiert)
Das Land am Kap ist keine Industrienation. Wie auch, während sie jahrelang einen Großteil der Bevölkerung unterdrückten, wurden sie genau deshalb vom Rest der Welt isoliert und konnten so etwas wie eine Exportwirtschaft überhaupt nicht aufbauen. Die Wirtschaft ist, wie gesagt, noch nicht so hochentwickelt, wie in Europa oder Nordamerika. Sie funktioniert noch kleinkarierter, eben mit Kleinbetrieben und Straßenhändlern.
Zur deutschen, zur allgemein westlichen Fußballkultur gehört der Kommerz seit Jahren. Wir wollen Spieler sehen, die meinen 94 Mio. Euro kosten zu müssen, daher müssen sie auch irgendwie finanziert werden. Das ist eine bittere Pille, doch – um nicht zu sehr in antikommerzielle Fußballromantik zu verfallen – es ist hierzulande Realität und jeder europäische Fußballfan, auch bei Pauli, hat sich insgeheim damit abgefunden.
Der afrikanische Fußball ist anders. Er hat keine überbezahlten Stars, da sie schon bevor sie überhaupt auf die Idee kommen, horrende Gehaltsforderungen zu stellen, von europäischen Vereinen weggekauft werden. Vielleicht ganz gut so, denn sonst wäre der Fußball nicht das, was er in Afrika ist: Der Sport der Armen, die zum stundenlangen Fußballspiel nicht mehr brauchen als einen Ball und vier Hölzer als Pfosten. Fußballspiele werden nicht in erster Linie vermarktet, sondern gefeiert. Es wird nicht jede Ecke von Sponsoren präsentiert und nicht jede Bockwurstpappe trägt Werbung. Stattdessen isst und trinkt man, was der Händler vorm Stadion anbietet, ohne dabei ganze Wochengehälter investieren zu müssen, geht dann zu einigermaßen bezahlbaren Preisen ins Stadion und freut sich über das Spiel.
Das, liebe Freunde von der FIFA, ist Fußball in Afrika: Spontanität, Freude und kulturelle Authenzität. Die kommerzielle Ausbeutung eines solch großen Turniers mag in Deutschland, England oder den USA eine unliebsame Begleiterscheinung sein. In Afrika bedeutet sie den Ausschluss der Gastgeber von ihrem eigenen großen, ihrem größten Event seit Jahren. Das hat mit den rosa-roten Entwicklungshilfe-Gelaber nichts mehr zutun. Die FIFA leiherte dem Südafrikanischen Volk die letzten Rand aus der Hose, um für vier Wochen ordentlich zu verdienen. Es bleibt zu befürchten, dass am Ende ein noch reicherer Weltverband, ein ausgelaugter Staat und eine ausgeschlossene Wirtschaft steht. Abernten, einpacken, abdüsen, das scheint die Politik der FIFA, Politik der verbrannten Erde – J’accuse, Monsieur Blatter!
In den 60er Jahren hörte ein Teil der Jugend in Europa auf Fußball zu spielen und setzte sich stattdessen politisch ein. Geblieben sind vor allem jene, die gar nicht wussten und nicht wissen, was Politik, geschweigedenn Engagement überhaupt ist. Eine Win-Win Situation für den abgewanderten Intellekt – Sie konnten sich nicht nur politisch entfalten, sie überließen auch den Bauern das Fußballspiel und können sich heute an deren dümmlichen Äußerungen erfreuen. FTD.de hat die besten Fußballersprüche in einem Quiz zusammengetragen:
“Sollte allerdings Wolfsburg wider Erwarten in unserem Wohnzimmer das Finale bestreiten, werde ich persönlich 10 Karten kaufen und sie eigenhändig verbrennen, zusammen mit meinem Fernseher und meinen Fußballschuhen. Aber was red´ ich denn, alles wird Ruuuuuuuuud...!!!” by Bastian ReinhardtBasti Backstage!